Ludwig Seyfarth
Gedruckte Erfahrung – zu Ottjörg A.C.s Projekt 'Deskxistence'

Es kommt immer darauf an, wo man etwas sieht. Wer in einer Ausstellung unvorbereitet auf die Resultate von Ottjörgs Projekt Deskxistence trifft, wird auf den ersten Blick nicht erahnen, welche vielfältige Geschichte dahinter steckt.

 

Die in verschiedenen Farben schimmernden, großformatigen Drucke scheinen Radierungen zu sein, die mit ihren Ritzungen, Kratzspuren und bizarren Flächenformen in der Tradition des Informel stehen.


Aber die vorschnelle stilistische Einordnung macht schon auf den zweiten Blick stutzig. Derart große Radierplatten sind doch recht ungewöhnlich. Zudem fällt bei näherer Betrachtung auf, dass die verschiedenen, abstrakten oder auch Gegenstände andeutenden Strichelungen und Einkerbungen sehr unterschiedlich sind. Der Künstler scheint kaum um eine eigene Handschrift bemüht zu sein. Manchmal sind auch Worte oder einzelne Buchstaben zu sehen, wobei auch verschiedene Sprachen und Schriftformen zum Einsatz kommen.


Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um die Handschrift mehrerer Künstler handelt. Und tatsächlich haben wir Resultate einer kollektiven Produktion vor uns, an der Ottjörg selbst zunächst nicht beteiligt war. Es sind Spuren, die Schüler absichtlich oder unabsichtlich auf Schultischen hinterlassen haben, an denen sie während des Unterrichts saßen. Solche Kritzeleien findet man überall auf der Welt, und Ottjörg hat sie über Jahre hinweg „gesammelt“. Er unternimmt Reisen nach China, in Metropolen wie São Paulo oder New York, besucht Schulen entlang längerer Reiserouten oder begibt sich an die Stätten seiner eigenen schulischen Ausbildung.

 

Der vollständige Essay befindet sich als PDF unter 'Downloads & Links'

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